Gesangsunterricht


Kirstin Hasselmann als Zerlina in Mozarts Don Giovanni. Mit Reinhart Gröschel am Staatstheater Cottbus.
Was heißt Singenlernen für mich?

„Für mich steht das Verhältnis von Singen und Individualität im Mittelpunkt. Singen ist nicht nur eine Selbst-Äußerung mit ganz individuellem Charakter, für die die Stimme, ebenso wie die Persönlichkeit der Sängerin des Sängers ausschlaggebend ist. Auch das Erlernen des Singens gelingt nur durch einen Prozess, der in jeder Hinsicht individuell abgestimmt sein muss, wenn er gelingen soll. Die/der Singende findet eine ganz eigene Sprache für die Beschreibung dieses Vorgangs, da es sich nicht um technisch-instrumentelles Wissen, sondern um eine Gefühlsbeschreibung handelt.

Ich als Gesangslehrerin verstehe mich als Hilfestellerin, die aus den Erfahrungen mit ihrer eigenen Gesangstechnik ihre Bilder über das Gehörte beschreibt und bei den Schülern Reserven zur Verbesserung ihres Gesangs aufdeckt. Der Schüler/die Schülerin kann diese Hilfestellung benutzen und in seine/ihre eigene Sprache und Gefühlswelt übersetzen. Ich bin überzeugt, dass Gesangsunterricht keinen festgelegten Schulrichtungen wie ‚Funktionales Singen’ und anderen folgen sollte. Solche Methoden sind als Anregung hilfreich, dürfen aber nicht als Dogma verstanden werden, sonst kann es zum Verlust des individuellen Stimmklanges und sogar zur Beschädigung der Stimme kommen. Das Ziel besteht darin, dass jede/r, die/der sich mit Gesang aktiv beschäftigt, ihre/seine eigene Gesangstechnik findet.“